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Barcelona

Messe für Solidarische Ökonomie

Vom 23. bis 25. Oktober 2015 fand in Barcelona die Fira d'Economia Solidària de Catalunya (FESC) statt – eine Messe für Solidarische Ökonomie, mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten. Das Motto: Eignen wir uns das Leben an (katalan: Reapropiem-nos de la vida).

Ein paar Beispiele von Projekten, die sich dort vorgestellt haben:

Das Kollektiv Biciclot verkaufte Taschen und Portemonnaies, die in ihrem früheren Leben Fahrradschläuche waren, und Schmuck aus Fahrradketten. Normalerweise bietet die vor fast 30 Jahren gegründete Genossenschaft Kurse rund ums Fahrrad und eine offene Werkstatt an.

Die Kooperative Alencop bietet Unternehmen und Privatpersonen die kostenlose Abholung von Gegenständen aus Metall, Haushaltsgeräten, Batterien und Leuchtkörpern mit Transport-Fahrrädern an. Fünfzehn Männer aus verschiedenen Ländern Afrikas haben einen bezahlten Arbeitsplatz in der Genossenschaft.

Das Bäckereikollektiv L'Aresta aus Tarragona, knapp hundert Kilometer südlich von Barcelona, bietet neben leckerem Brot auch Kurse an Schulen an.

Die einzig gültige Währung auf der Messe waren Ecosols, die gegen Euros eingetauscht werden konnten.

Veranstaltet wurde die Messe vom Xarxa d'Economia Solidària de Catalunya, dem Netzwerk Solidarische Ökonomie von Katalonien, kurz xes, mit Unterstützung der Stadtverwaltung von Barcelona.

Soziale Zentren in Sants

Die Bewohner*innen von Sants organisieren sich als Nachbarschaftsversammlung (katalan: Assemblea de Barri de Sants), die zwei Prinzipien hat: Diversität untereinander und Geschlossenheit nach außen, insbesondere gegenüber Faschisten, aber auch gegen andere Zumutungen. Viele kleine Kooperativen prägen den Stadtteil sowie Soziale Zentren, die oft umkämpft waren. So zum Beispiel das bereits seit 1997 besetzte Can Vies.

Das Soziale Zentrum Can Batlló entstand aus einer zwei Jahre im Voraus angekündigten Besetzung, die jedoch am 11. Juni 2011 nur noch symbolisch erfolgte, da die Türen der ehemaligen Fabrik bereits geöffnet waren.

Die feministische LGTBI/Queer-Gruppe La Fondona hat eine Gender-Kommission initiiert, die evaluiert, wie die von allen gewünschte Geschlechtergerechtigkeit in den Arbeitsgruppen von Can Batlló umgesetzt wird.

Can Batlló möchte ein Zentrum solidarischen, genossenschaftlichen Wirtschaftens werden. Dafür stehen insbesondere drei große gemeinsame Vorhaben, das Genossenschaftsgründungszentrum Coopolis, die Schulgenossenschaft Arcàdia und die Wohnungsgenossenschaft La Borda mit einem für spanische Verhältnisse ungewöhnlichen Konzept.

Bewegung an der Macht

In Barcelona regiert seit Juni 2015 die Plattform Barcelona en Comú (Barcelona Gemeinsam), die ein Jahr zuvor als Wahlbündnis Guanyem Barcelona (Gewinnen wir Barcelona) gegründet wurde. Bei den Kommunalwahlen im Mai 2015 erhielt sie die meisten Stimmen, jedoch keine absolute Mehrheit. Barcelona en Comú setzt sich für soziale Rechte und Demokratie ein und knüpft an die Platzbesetzungen der 15M-Bewegung an, ähnlich wie politisch erfolgreiche Bewegungen in anderen spanischen Städten, zum Beispiel Ahora Madrid, Zaragoza en Común und andere Bündnisse. Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, kommt aus der globalisierungskritischen Bewegung und engagierte sich zuletzt in der PAH (Plataforma de Afectados por la Hipoteca), dem Netzwerk der Geschädigten, die ihre Wohnungen verlieren, weil sie die Bankkredite nicht zurückzahlen können.

Zu den Spanischen Parlamentswahlen am 20. Dezember 2015 in Katalonien tritt Barcelona en Comú als En Comú Podem gemeinsam mit Podemos an.

Einen Kommentar zu den Wahlen mit einer kritischen Einschätzung zu Podemos hat Raul Zelik am 15.12.2015 bei der RLS veröffentlicht: Die interessantesten Wahlen seit über 30 Jahren

Raul Zelik nach den Wahlen: Spaniens Linke erstarkt

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Im Januar 2016 erschienen in CONTRASTE - Monatszeitung für Selbstorganisation von Elisabeth Voß die Beiträge:

Eignen wir uns das Leben an (über die Projektemesse FESC) und

Widerständige Nachbarschaften in Sants

 

Mehr zu Solidarischer Ökonomie in Spanien gibt es auf economiasolidaria.org und alternativaseconomicas.coop

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